teach <> lead

Unterrichten heisst in die Zukunft begleiten.

teach

Das Englische Wort «teach» stammt vom Proto-Germanischen *taikijan und bedeutet «zeigen». Heute meinen wir mit «teach» das Unterrichten, jemandem etwas beibringen. Im schulischen Kontext heisst das: Erwachsene, ausgebildete Personen zeigen der heranwachsenden Generation, wie sie herausfinden können, was sie für die aktive Gestaltung ihres Lebens jetzt und in Zukunft benötigen. Die Lernenden bewegen sich sozusagen auf einer Probebühne, wo sie inhaltliche Schachverhalte in ihrer möglichen Anwendung trainieren, sozialen Spielregeln erfahren und – hoffentlich – mit der eigenen Rolle experimentieren. Regie führen die Erwachsenen. Idealerweise hat das Stück auf der Probebühne viele Sprecherrollen und die Hauptrollen werden nicht von den Erwachsenen besetzt, während die Schülerinnen und Schüler als Komparsen den Hintergrund füllen.

lead

Ursprünglich vom Wort *laidjanan abstammend, das für «reisen» steht, ist eine der heutigen Bedeutungen «begleiten und den Weg zeigen». Wohl treffender lässt sich die Tätigkeit des «lead» nicht umschreiben.
In der heutigen Zeit rückt das Zeigen eines Weges immer mehr in den Hintergrund, denn dafür müsste man als Wegweiser diesen kennen. Das Begleiten tritt dafür umso mehr in den Vordergrund: Erwachsene an der Seite der Heranwachsenden, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen, um mit den Lernenden Lösungen für lebenspraktische Herausforderungen suchen, finden und bauen.
Alle sind unterwegs. Hat man dabei eine angenehme Begleitung, dann ist das Betreten von Neuland einiges einfacher. Das gilt für alle – Erwachsene und Heranwachsende – auch wenn dieses «lead» von den Erwachsenen ausgeht, die es hoffentlich bewusst und verantwortungsvoll (vor)leben.

teacher

«Teacher», also Lehrer:in, ist eine Berufsbezeichnung. Und es ist eine Funktionsbezeichnung.
Wer diesen Beruf ausübt, hat eine Ausbildung absolviert. Wer die Funktion ausübt, nimmt eine Haltung gegenüber einer anderen Person ein.
Der Soziologe Niklas Luhmann hat in seinem «Erziehungssystem der Gesellschaft» darauf hingewiesen, dass die Einheit des Erziehungssystems auf der guten Absicht gründet, richtige und nützliche Lerninhalte zu vermitteln und in Interaktionen unter Anwesenden ihren Ausdruck findet. Der Interaktion ist Rollenasymmetrie eigen, also eine ungleiche Verteilung von Macht. Es bedeutet: Die eine Partnerin hegt die gute Absicht, der andere Partner akzeptiert die Rollenasymmetrie.
Wer die Rolle der Lehrperson ausübt, sollte sich der Verantwortung für die Absicht und die Identifikation von «richtigen» und «nützlichen» Lerninhalten bewusst sein.

leadership

Einerseits ist Leadership eine Tätigkeit, ganz konkrete Handlungen, die eine Gruppe von Menschen anleiten: Entscheidungen treffen, Vorgaben definieren, für das Wohl der Einzelnen mitsorgen und die in der Gruppe auftretenden Konflikte klären.
Anderseits ist es eine Haltung: Sich für die Gruppe, deren Rahmenbedingungen und das gemeinsame Vorhaben verantwortlich fühlen.
Welche Fragen beantwortet diese Verantwortung? – Die eigenen: Habe ich das mir Mögliche getan, damit sich alle Mitglieder der Gruppe wohl fühlen und ihren Beitrag leisten können? Gehe ich sorgfältig mit den Ressourcen der Gruppe um – Zeit, Fähigkeiten, Wissen und Motivation? Ist das gemeinsame Vorhaben wirklich ein Gemeinsames? Hüte ich die Rahmenbedingungen nach bestem Wissen und Gewissen?